03.06.12

"Väter ohne Rechte" demonstrieren in der Kremser Landstraße

"Väter ohne Rechte" demonstrieren in der Kremser Landstraße

 
Krems an der Donau: Obere- und Untere Landstraße | Für die meisten Kremser SamstagsbummlerInnen war es sicherlich ein ungewohnter Anblick: Gegen 11 Uhr vormittags marschierten heute zwischen 20 und 30 Aktivisten des Vereins "Väter ohne Rechte" durch die gesamte Kremser Landstraße. Dabei trugen sie Schilder und Transparente mit Slogans wie "Entfremdung ist Kindesmisshandlung", oder "Väter ohne Rechte- Für unsere Kinder". Eine der sehr raren Aktivistinnen (es waren fast ausschließlich Männer unter den Demonstranten) trug ein Schild mit dem Spruch "Ich bin die Totengräberin der Kinderrechte", masskiert als Gabriele Heinisch-Hosek, Österreichs Frauenministerin. Durch ein Megaphon dröhnt die Stimme von Martin Stiglmayr, dem Vorstand der "rechtlosen" Väter. Er spricht vom "Radikal-Feminismus in der österreichischen Politik" und Vätern als Opfer einer Gesellschaft, die Frauen angeblich bevorzuge.

Wie anhand der einschlägigen Slogans unschwer zu erkennen ist, ging es bei dieser Demonstration um das wohl heißeste Eisen in der Familien- beziehungsweise Frauenpolitik: Die gemeinsame Obsorge für Trennungs- und Scheidungskinder. Wie man einem Infoblatt des Vereins entnehmen konnte, nützt der Verein einen konkreten Fall von Vaterentrechtung aus Krems: Der Kinderarzt Dr. Robert Holzer habe seine beiden Kinder (die als "S. und P." benannt werden) seit 2 Jahren nicht mehr gesehen, weil ihm das Besuchsrecht von der Kindesmutter strikt verweigert wird. Aus Sicht der Initiative sei die Mutter bereits am "Entfremdungssyndrom" erkrankt was bedeutet, dass sie krankhaft versucht, die Kinder gegen den Vater aufzubringen. Doch wird nicht nur Kritik an der Mutter geübt, nein, es kommt zu einem regelrechten Rundumschlag. Zum einen kritisiert der Verein den Kremser Ex-Richter, Dr. Maltrovsky, der sämtliche Anträge auf Besuchsrecht von Seiten Holzers abgewiesen habe. Weitere verbale "Watschen" müssen "inkompetente SozialarbeiterInnen" wie auch die Direktoren des BRG Krems Ringstraße (Dr. Herbert Kefeder) und des BG Rechte Kremszeile (Mag. Hermine Rögner) einstecken. Mit ihnen hätten die "Väter ohne Rechte" versucht Kontakt aufzunehmen, doch man habe sich nicht für gesprächsbereit erklärt. Dies veranlasst den Autoren des Flugblattes dazu, alle LehrerInnen und DirektorInnen über einen Kamm zu scheren. Den Gipfel der Aggressivität findet sich in diesem- ohnehin scharf formulierten- Flugblatt an der Stelle: "Es ist, als ob Kinder vor ihren (gemeint sind die SozialarbeiterInnen, RichterInnen, PolitikerInnen und LehrerInnen) Augen gequält und getötet werden, aber die Zuschauer greifen nicht ein."

Der Demozug kommt vor der Volksbankenfiliale in der Landstraße zum stehen, da greift Vorstand Martin Stiglmayr zu einigen Zetteln, von der er seine Rede abliest. Während einige Passanten stehen bleiben und seinen Worten lauschen, gehen dei allermeisten einfach weiter. Nach wenigen Minuten macht sich der männerdominierte Demonstrationszug wieder auf den Weg: Richtung Steiner Tor.

Der Verein "Väter ohne Rechte" ist seit 2007 aktiv, zu seinen Hauptforderungen gehören laut der Vereinshomepage:

- Die Durchsetzung der gemeinsamen Obsorge, die auf gleichen Pflichten und Rechten beider Elternteile basiert und nur durch gerichtlichen Beschluss und besonderen Gründen eingeschränkt werden soll.

- Die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention in die Verfassung - vollständig und nicht nur teilweise.

- Die Verkürzung der familienrechtlichen Außerstreitverfahren auf maximal 3 Monate

- Auch unmittelbar nach der Trennung darf es keine Einschränkungen beim Kontakt zwischen Kindern und jedem Elternteil geben.
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